La Paz/Uyuni/Copacabana, Bolivien vom 27. Dez. 2010 bis 09. Jan. 2011

 

Am Abend des 26. Dezembers reisten wir mit dem Nachtbus von Sucre nach La Paz. Natürlich hatten wir auch bei dieser Fahrt eine Panne. Glücklicherweise dauerte der Stopp nur rund 45 Minuten. In La Paz angekommen, checkten wir im Hostal Naira ein, welches mitten in der Altstadt liegt. La Paz liegt auf einer Höhe von 3200 bis 4100 Metern je nach dem in welchem Stadtteil man sich gerade befindet. Am 29. Dezember trafen wir dann nach etwa 14 Monaten die Eltern und der jüngere Bruder von Tinu. Den nächsten Monat werden wir nun zu Fünft reisen. Wir blieben ein paar Tage in La Paz ehe wir dann nach Uyuni aufbrachen. Am 2. Januar machten wir eine Mountainbiketour auf der „Camino de la muerte“ oder auch gefährlichste Strasse der Welt genannt. Die Strasse führt von einer Höhe von 4600 Metern in ca. 61 Kilometern hinunter nach Coroico. Die einspurige Straße führt ohne Leitplanken an steilen bis zu 400 Meter tiefen Abhängen entlang. Sie ist daher sehr gefährlich, außerordentlich schwer und nur unter großer Gefahr zu passieren. Das tönt alles unheimlich gefährlich, ist aber mit einem seriösen Veranstalter, tadelloser Ausrüstung und gesundem Verstand ohne Probleme zu befahren. Nach erfolgreicher Abfahrt auf der gefährlichsten Strasse der Welt, fuhren wir einen Tag später mit dem Nachtbus nach Uyuni in die Wüste. Die Busfahrt war, wie immer in Bolivien, eine Tortur. Auf unserer ganzen Reise hatten wir noch nirgends so katastrophale Busse und so schlechte Strassen (wenn man überhaupt von Strassen sprechen kann) wie in Bolivien. Trotzdem kamen wir nach etwa 12 mühsamen Stunden heil in Uyuni an. Dort begaben wir uns zu einer Reiseagentur und buchten einen 3 Tagestrip in die Wüste. Hauptattraktion war natürlich die riesige Salar de Uyuni. Der Salzsee liegt auf einer Höhe von 3652 Metern und ist die grösste Salzpfanne der Welt. Am zweiten und dritten Tag besuchten wir einige zum Teil sehr schöne Lagunen, Geysire, Vulkane, Gesteinsformationen und mondartige Landschaften. Da wir die ganze Zeit auf einer enormen Höhe (zum Teil fast 5000 Meter über Meer) waren, hatten wir ein paar Mal mit Symptomen der Höhenkrankheit zu kämpfen. Nach 3 Tagen kamen wir hundemüde von der Tour zurück und zum Dessert mussten wir noch mit dem Katastrophenbus über Nacht nach La Paz fahren.

Einen Tag später, fuhren wir dann nach Copacabana, das an der Küste des weltberühmten Titicacasees liegt. Auch diese Fahrt verlief nicht ohne Panne. Etwa auf halber Strecke hatten wir eine Platte und der Fahrer musste Rad wechseln. Die Stadt liegt zwar sehr schön am Ufer des Sees, ist aber nichts Spezielles. Der Strand und die Stadt sind total verschmutzt und es tummeln sich eindeutig zu viele Touristen rum. Von unserem schönen Hotel, hatten wir eine super Aussicht auf den Titicacasee und das entschädigte etwas das sonst traurige Bild von Copacabana.

Bolivien hat viele spektakulären Landschaften zu bieten ist aber enorm mühsam zu bereisen. Darum sind wir froh, bald ein neues Abenteuer in Peru zu beginnen.

Tupiza/Sucre, Bolivien vom 02. Dezember bis 26. Dezember 2010

     

Am 2. Dezember reisten wir in vier Stunden mit dem Bus von Jujuy nach La Quiaca. Dieses kleine Dorf liegt ganz im Norden Argentiniens an der Grenze zu Bolivien. Weil es schon später Nachmittag war, entschieden wir uns in La Quiaca zu übernachten. Die Höhe machte uns ein erstes Mal zu schaffen da dieses Dorf immerhin auf 3400 Metern über Meer liegt. Wir hatten Kopfschmerzen und bei jeder kleinsten Anstrengung mussten wir schnaufen wie nach einem 100 Meter Sprint. Am nächsten Tag überquerten wir die Grenze und betraten ein erstes Mal bolivianischen Boden. Die Formalitäten am Zoll beschränkten sich auf ein Minimum und alles verlief erstaunlicherweise sehr zügig und ohne Probleme. Niemand wollte unser Gepäck sehen und es interessierte auch niemanden was wir alles nach Bolivien einführen. Auf der bolivianischen Seite mussten wir erst mal, in einer der zahlreichen Wechselstuben, Geld wechseln. Danach charterten wir uns ein Taxi und fuhren ins zwei Stunden entfernte Tupiza. Das Dorf liegt auf einer Höhe von 2965 Metern, umschlossen von einer bizarren Berglandschaft.   

Dort angekommen, mussten wir in brütender Mittagshitze ein Zimmer suchen. Zum Glück war Tupiza nicht sehr gross und wir fanden relativ schnell eine geeignete Unterkunft. Danach besichtigten wir das Dorf und besuchten den Mercado Negro (Schwarzmarkt). Dort wurde allerhand angeboten, von Kleidern bis zu DVD – und Fernsehgeräten so ziemlich alles. Tinu kaufte einen riesigen Sack voll Kokablättern für etwas mehr als einen Franken. Die Blätter sind zum kauen und helfen Müdigkeit, Hunger und Kälte zu verdrängen und sind sehr wirksam gegen die Höhenkrankheit, da sie die Sauerstoffaufnahme verbessern. Einziger Nachteil: Sie schmecken nicht wirklich gut.

Da die Gegend rund um Tupiza stark an den wilden Westen erinnerte, entschieden wir  uns für einen Ausritt in der näheren Umgebung. Wir starteten schon am frühen Morgen weil die Temperaturen um diese Zeit noch angenehm waren. Der Ausritt führte uns durch trockene und staubige Landschaft, vorbei an mächtigen Felsformationen, bis zu einer kleinen Schlucht bei der wir dann wieder umkehren mussten. Als wir gegen Mittag zurückkamen, war es schon sehr heiss und die Sonne brannte erbarmungslos. Wir waren froh, gingen wir schon früh los und so konnten wir uns in den Schatten zurückziehen. In Tupiza gab es sonst nicht all zu viel zu tun und so entschieden wir uns am nächsten Tag weiter zu reisen. Unser Bus nach Sucre fuhr um neun Uhr Abends und wir trafen etwa eine halbe Stunde vorher beim Busterminal ein. Was für ein Chaos dort herrschte! Kein Vergleich mehr zu Argentinien wo alles ziemlich organisiert und übersichtlich wirkte. Den Bus fanden wir noch ziemlich schnell aber dort war niemand der das Gepäck einladen wollte. Zuerst kam eine Frau vorbei bei der wir Terminalgebühr bezahlen mussten (20 Rappen pro Person). Nach bezahlter Gebühr, pfiff die Frau einen Jungen herbei der dann unsere Rucksäcke in den Gepäckraum wuchtete. Wir stiegen in den Bus und merkten sofort, dass die Busse in Bolivien nicht so luxuriös sind wie in Argentinien. Wir setzten uns auf unsere Sitze und ein paar Minuten später kam schon ein anderer Tourist der die gleiche Sitznummer hatte. Da in Bolivien nicht ungewöhnlich ist, dass ein Sitz zweimal verkauft wird, hat derjenige Sitzrecht der zuerst sitzt. Also hatte der andere Tourist Pech gehabt. Schlussendlich, nach einigen Diskussionen, bekam er doch noch einen Sitzplatz zugeteilt. Der Bus war rappelvoll so dass einige Personen stehen oder auf dem Boden liegen mussten. Nach etwa drei Stunden Fahrt, so um Mitternacht, hielt der Chauffeur mitten im Nirgendwo an und öffnete den Motorraum. Der Chauffeur nahm Werkzeug hervor und fing an am Motor rumzubasteln. Nach einiger Zeit, verliessen schon ein paar Leute den Bus und sprangen auf einen anderen vorbeifahrenden Bus. Wir ahnten schon böses und stellten uns darauf ein, die Nacht irgendwo in der bolivianischen Pampa zu verbringen. Aber irgendwie gelang es dem Chauffeur die Schrottkiste zusammenzuflicken und so konnten wir nach etwas mehr als zwei Stunden wieder weiterfahren. Natürlich kamen wir zu spät in Potosi an und verpassten unseren Anschlussbus. Aber auch das managte der Chauffeur und besorgte uns Tickets für die Weiterreise nach Sucre. Keine fünf Minuten später, sassen wir in einem Bus der mit uns nach Sucre tuckerte. Dort angekommen, liessen wir uns mit einem Taxi ins sehr empfehlenswerte Hostal Casa Verde chauffieren. Sucre ist die offizielle Hauptstadt Boliviens obwohl der Regierungssitz in La Paz ist. Die Stadt liegt auf etwa 2800 Meter über Meer und gilt mit seinen weissen Gebäuden und gepflegten Parkanlagen als eine der schönsten Städte Südamerikas.

Am nächsten Tag erkundeten wir ein bisschen die Stadt und suchten eine Schule um unser Spanisch noch etwas aufzupolieren. Spanischlernen in Sucre ist extrem billig. Für eine Stunde Privatunterricht muss man so um die 6 Franken bezahlen. Da es uns in Sucre sehr gut gefällt, haben wir beschlossen bis nach Weihnachten zu bleiben, Spanisch zu lernen und dann am 26. nach La Paz weiterzureisen wo wir Tinus Eltern und seinen jüngeren Bruder treffen werden.